01. Smilla, die erste Begegnung
Karsamstag, Matuschek hatte die ganze Woche einen Laminat
Boden verlegt und gönnte nun seinem malträtierten Körper
eine kleine Pause im Taxi. Viel verdienen würde er heute wahrscheinlich
nicht, da die meisten seiner potenziellen Kunden gerade irgendwo im Stau
standen, aber egal, der Körper brauchte eine Auszeit und gerade an
solchen Tagen hatte Matuschek die intensivsten Erlebnisse. Diese erinnerte
er noch nach Jahren, eine finanziell erfolgreiche Schicht war schon am nächsten
Abend vergessen.
Bis jetzt war aber noch gar nichts passiert, Matuschek stand
immer noch als Vierter vor dem Handelshof, seit gut einer halben Stunde.
Ein weiterer Grund für Matuscheks Anwesenheit im Taxi, zu dieser Uhrzeit,
16:15 Uhr, eigentlich der Hauptgrund, war aber der Erwerb eines Laptops,
Matuschek hatte dieses unwiderstehliche Angebot zufällig in der Lokalzeitung
gelesen, der Computerladen war in Essen und schloß um 16:00 Uhr, so
hatte Matuschek den Laptop im Kofferraum. Eigentlich etwas gefährlich,
da Matuschek einen Kombi fährt, freier Zugriff von der Fahrgastzelle
in den Kofferraum und freie Sicht auf den Karton. Also ausgestiegen, den
Karton entsorgt, den Laptop auf den Schoß, Stromversorgung über
Zigarettenanzünder hergestellt und los. Das Betriebssystem war vorinstalliert,
die Modemsoftware auch, Matuschek hatte sich zufällig gerade eine Computerzeitschrift
an der ARAL gekauft, da wo es den leckeren Café gibt, auf der beiliegenden,
vielmehr so blöd mit der Coverseite verklebten, das sie kaum zu lösen
war, CD, war Matuscheks Lieblingsbrowser und auch die Zugangssoftware zu
einem seiner Provider enthalten.
Tut tut, Matuschek wollte gerade mit der Installation beginnen
als ihn eine Autohupe nach vorne schauen lies, oh, zwei von den drei Taxen
vor ihm waren weg, wohin? Matuschek zog vor und begann mit der Installation.
Nach zwanzig Minuten hatte er sein Handy angeschlossen und war das erstemal
fast online, er tippte gerade sein Kennwort ein.
-: "Was nimmst du den zur Hohensyburg?"
Ein im modischen schwarzen Outfit eingeengter Mitvierziger
hatte die Taxitür geöffnet. Hohensyburg ist ein Vorort von Dortmund,
neben diversen Lokalitäten befindet sich dort auch ein Spielkasino,
von Essen ca. 45 km entfernt, Fahrpreis ca. DM 120, kann aber, da außerhalb
des Pflichtfahrgebietes, frei vereinbart werden.
-: "Vierhundert"
Jetzt hast du Ruhe dachte Matuschek.
-: "In Ordnung"
Der Schwarze stieg ein.
-: "Vorkasse"
Matuschek fährt eigentlich Jeden und nimmt nie Vorkasse,
das heißt der Fahrpreis wird im Voraus entrichtet, aber irgendwie
war der Typ komisch und Matuschek hatte auch ein schlechtes Gewissen wegen
dem überhöhten Fahrpreis. Als er rechts rüber schaute hielt
der schwarze Mann vier Hunderter in der Hand.
-: "Mann, gib mir zwei, das ist schon fast zuviel."
Soviel Dummheit musste bestraft werden, man weiß eben
nie was als nächstes kommt, Laptop ausgestöpselt und auf die Rücksitzbank
gelegt, Handy auf die Ablage und ab. Ganz wohl war Matuschek immer noch
nicht, der Fahrpreis war zwar rechtlich korrekt, aber der Dienstleistung
nicht angemessen. Matuschek machte einen Test, durch diverse Fragen ermittelte
er ein Profil seines Fahrgastes. Dieser entpuppte sich als Deutschlehrer an
einer Privatschule, machte er aber nur noch als Zeitvertreib, wahrscheinlich
um die Kids zu quälen, vor fünf Jahren hatte er ein Beerdigungsinstitut
geerbt, das ihm jeden Monat soviel einbrachte wie Matuschek auch in einem
guten Jahr nicht verdiente.
-: "Shit, die Ruhrallee ist ja gesperrt, da müssen
wir über die 45 fahren, das wird dann doch ein bißchen teurer."
-: "Was?"
-: "Der Fahrpreis ist nicht okay." (Du Arschloch)
-: "Wie?"
-: "Ich brauch noch einen Hunderter!"
-: "Bitte"
Ein Hunderter wurde rüber gereicht, ein Arschloch,
aber ein naives, Matuschek war mit seinem Gewissen im Reinen und konnte nun
auch die Profilierungssucht seines Fahrgastes, der ununterbrochen selbstgefällig
daherplapperte, ertragen.
Matuschek hatte mit der einen Fahrt mehr verdient als in
einer guten langen Samstagnacht, so rief er auf dem Rückweg ein paar
Freunde an, klar keiner zu Hause, zu Hause war auch keiner, Tochter und
Gefährtin verweilten zehn Tage an der Ostsee, also fuhr er erstmal
zum Chinesen und bestellte sich das Tagesmenü, das war nicht nur immer
sehr gut, sondern auch sehr preiswert. Der Wein war, für einen Chinesen
nicht gerade typisch, auch sehr gut, aber mehr als zwei Glas von dem leckeren
Soave konnte er sich nicht erlauben, er hätte zwar das Taxi einfach
stehen lassen können, aber er musste ja auch irgendwann nach Hause
und das war sechzig Kilometer entfernt.
So stand er nach zwei Tassen Café am Limbecker Platz,
als zweiter, hörte Drum 'n Bass auf BFBS, Steve Mason müsste jetzt
auch schon über Fünfzig sein, Matuschek kannte ihn noch aus der
Rock- und Reggae Zeit, und stellte endlich den Zugang zum WWW mit seinem
Laptop und seinem Handy her. Klappte hervorragend, in seinen elektronischen
Postfächern war aber neben einer kurzen persönlichen Mitteilung
nur Junkmail und als er gerade zu surfen beginnen wollte, überschlug
er kurz die Kosten, etwas über zwanzig Mark die Stunde und meldete sich
wieder ab.
Das erste Taxi war immer noch da, im Funk war absolute Stille,
BFBS brachte gerade News, also setzte Matuschek das Taxi etwas zurück
und ging ins Internet-Café. Hier drehte er sich erstmal eine Zigarette,
zog sich einen Café, nicht so zu empfehlen, und machte eine kleine
Runde. Die meisten Jungs spielten eine aktuelle Version von Doom, zum Glück
funktionierten die meisten Soundkarten nicht, einer suchte nach dem Schlagwort
"Enkaustik" (in der Antike entwickeltes Malverfahren, bei dem die Farben
mit Wachs gebunden werden) mit wenig Erfolg, der muss bestimmt nach den Osterferien
ein Referat halten, einer suchte nach "Fellatio", die Suchmaschine hatte
soviele Einträge, dass sie vorschlug die Suche zu verfeinern, ein Mädchen
war in Matuscheks Lieblingschat, vielmehr dem einzigen in dem Matuschek
sich mal alle paar Monate, wenn er so gar nichts mehr zu tun hatte und nach
zwei Flaschen Wein auch nicht mehr in der Lage war sich irgendwas kreatives
einfallen zu lassen, aber auch noch nicht aufgeraucht hatte, blicken ließ.
Matuschek setzte sich an einen freien Platz und widmete sich seinem momentanen
Lieblingsprojekt "Taxipark.de", im Besonderen der Akquirierung von Einträgen,
indem er allen möglichen Taxiunternehmungen ein Informationsmail schickte.
Als er die erste neue Adresse gefunden hatte schaute er kurz aus dem Fenster
und sah das sein Taxi ganz allein am Ende des Halteplatzes stand und ein
junger Mann gerade versuchte die Tür zu öffnen. Matuschek bezahlte
56 Pfennig für die Benutzung des Internet Arbeitsplatzes, ging zur Tür
hinaus und sah wie der junge Mann in ein gerade vorbeikommendes Taxi stieg,
ein weiteres fuhr auf den Halteplatz, der Fahrer schaute sich kurz zu Matuscheks
Taxi um, machte aber keine Anstalten den ersten Platz aufzugeben, tja die
Nachtschicht hat wohl den Betrieb aufgenommen, es war 22:00 Uhr.
Matuschek setzte sich in sein Taxi und zog vor, nach zwanzig
Minuten merkte er durch eine Nachfrage eines Kollegen, das heute wohl auf
Kanal 1 gesendet wurde, darum war es auch so absolut ruhig im Funk gewesen.
Durch die Scheibe des Internet-Cafés sah Matuschek das Mädchen
lächeln, tippen, warten, lächeln, tippen, ob die immer noch im
Chat war? Sieben waren drin, Smilla, coalmine, Gypsy, Purple, deo, Bumm und
der unvermeidliche Hero. Matuschek ignorierte die Kosten und die Zeit und
meldete sich als driver im Chat an.
coalmine: Die Stimmung hier ist faszinierend
deo: Wo?
Purple: Der Himmel wird dunkel
Smilla: Ich denk du bist allein
diver: Guten Abend
Hero: Na wie ist es unter Wasser
coalmine: Das ist ja das schöne, ich sitze hier
am See, allein und sehe wie die Sonne langsam versinkt
Hero: Hey diver, ist dein Computer auch wasserdicht
(Ach, der meint mich, Matuschek merkte, dass er sich als
diver statt als driver angemeldet hatte, als er zum Internet-Café
blickte, tippte das Mädchen, Zehnfingersystem, alle Achtung, wohl eine
Kurzgeschichte.)
Smilla: Und das kannst du nicht genießen ohne
Chat? Abgesehen davon das ich keinen transportablen Computer habe, käme
ich nie auf die Idee mich an einen See zu setzen, in der Abenddämmerung,
und an einem Chat teilzunehmen. Wahrscheinlich hast du auch noch ein portables
TV dabei und nimmst an einer realen Diskussionsrunde über die Verfügbarkeit
moderner Medien teil. Hier ist es schon fast dunkel.
(Stimmt, dachte Matuschek, ob das wirklich das Mädchen
im Internet-Café geschrieben hat? Er schrieb erstmal was an Hero.)
diver: Klar, deiner nicht?
coalmine: Hier auch, ne, ich sitze hier ganz allein
und mit dem Chat das ist Zufall, ich hab mir den Laptop nur geliehen für
eine Bestandsanalyse (Botanik), jetzt sitz ich hier nach getaner Arbeit
und entspann ein wenig.
Smilla: Schön
Hero: Jau
coalmine: Nur schön?
Smilla: Ja
coalmine: Schade
Smilla: Warum?
coalmine: Nur so
Smilla: aha
coalmine: Was machst du denn sonst so?
Hero: Mal ne interessante Frage?
Smilla: Tja ...
(Jetzt lacht sie)
Matuschek wollte gerade auch was tippen, da ging die Tür
auf und jemand wollte nach Altenessen fahren. Matuschek unterbrach die Verbindung
abrupt, nicht gerade netiquette, ohne sich abzumelden. Während der
Fahrt überlegte er wo er den Laptop lagern sollte wenn die Rücksitzbank
mal besetzt wäre, manchmal fuhr er ja auch richtige Rabauken, und ein
Griff über die Rückenlehne war leicht getan. Als der Fahrgast
ausgestiegen war steuerte Matuschek die DEA an, zog sich mal wieder einen
Café und plazierte den Laptop ziemlich nahe an der Heckklappe, verdeckt
durch einen Stofffetzen der im Kofferraum herumlag, war wohl der Bezug eines
Kindersitzes. Als er gerade einsteigen wollte, lief ein Alkipärchen
auf ihn zu, gut, Matuschek hatte ja schon genug verdient, also nahm er die
Beiden ein Stück Richtung Stadtmitte mit, umsonst. Prompt stand da
ein sogenannter Abwinker der seinem Namen alle Ehre machte und wie verrückt
winkte, Matuschek hatte das Dachzeichen eingeschaltet gelassen. Dreihundert
Meter weiter krabbelte das Pärchen langsam aus dem Wagen und brabbelte
irgendwas von, "Eh Alter echt gut eh, danke eh ...", was den Prozess des
Aussteigens nicht gerade beschleunigte. Irgendwann waren sie draußen,
Matuschek raste zurück, der Abwinker war, wie erwartet, weg.
Zurück am Limbecker Platz, Matuschek war wie angezogen
dort gelandet, die Plätze vorher waren aber auch übersät
mit Droschken, saß das Mädchen immer noch da, intermittierend
tippend und schauend. Schön, also raus, ein paar Photos gemacht, Laptop
ausgepackt.
-: "Noch frei?"
-: "Ne"
Kopfschüttelnd ging die Lady, ca. 40, Hausfrauentyp,
diesen Typ konnte Matuschek absolut nicht ab, weiter.
-: "Können sie mir vielleicht ein Taxi bestellen?"
-: "Ne, hab keinen Bestellschein."
Ruhe, Matuschek schloß seinen Laptop an, da stand
neben ihm ein Taxi, der Fahrer zeigte auf den freien Platz vor Matuschek.
-: "Fahr vor, ich bin bestellt."
Mann, hat man denn nie Ruhe, jetzt aber angemeldet, jau,
Smilla, coalmine und ein paar Andere waren im Chat.
coalmine: Das könnten wir ja dann mal zusammen
machen.
Smilla: Ja ... eigentlich schon, aber?
coalmine: Aber?
Hero: Aber, aber
driver: Hallo Hero, immer noch da?
Hero: :-(
driver: :-#
Hero: Häh, wer bist du denn?
driver: Der alte diver, :-#, das heißt pst!
Smilla: Aus welchem Bereich kommst du denn?
coalmine: Uferbereich ;-)
Smilla: IDIOT
(Matuschek war sich jetzt ganz sicher, denn das Mädchen
im Internet-Café schaute jetzt ganz böse, er kam sich vor wie
ein Voyeur, war aber erstens eine interessante Erfahrung und zweitens ganz
harmlos. Mal testen ob die Beiden auch noch andere wahrnehmen?)
driver: Er sitzt doch am See, brauchst du doch nicht
so böse schauen.
Smilla: Hallo driver
(Sie schaute aus dem Fenster, eher nachdenklich als verärgert,
genau auf das Taxi, Matuschek zuckte zusammen, war natürlich Quatsch,
sie konnte driver nicht in dem Taxi vermuten.)
driver: Hallo Smilla
coalmine: Hey, war nicht so gemeint, ich komme aus
dem Ruhrgebiet.
Smilla: Schön, ich aus Freiburg.
driver: Glaub ich nicht!
coalmine: Warum nicht?
driver: Smilla kommt nicht aus Freiburg!
Smilla: Doch, aber zur Zeit bin ich auch im Ruhrgebiet.
coalmine: Kennt ihr euch?
driver: Nein, nein
Smilla: Nein
coalmine: :-)
Smilla: päh!
coalmine: Langsam muss ich Schluss machen, es wird
kühl am See und ich habe nur ein wenig Licht von dem Förderturm
hinter mir, ist jetzt ein Industriedenkmal und bald wird das Licht wohl
ganz abgeschaltet, am anderen Ufer macht auch schon die Kneipe zu.
Smilla: Ja, ich muss auch bald.
coalmine: Wo bist du denn eigentlich jetzt?
Smilla: Tja?
(Fünf Minuten Sendepause, Matuschek hörte gerade
die 24 Uhr Nachrichten und beim Wetterbericht fiel ihm der Stillstand auf.)
Smilla: coalmine?
coalmine: Ja, hier sind so komische Geräusche.
Sollen wir nochmal zusammen chaten?
Smilla: Ja, wann und wo?
coalmine: Morgen um
(Zwei minuten Sendepause)
Smilla: Um wann?
Smilla: Wann?
Smilla: coalmine?
Smilla: WANN?
Smilla: IDIOT
Smilla: Good bye!
driver: Good bye!
Merkwürdig, Matuschek dachte einer sich anbahnenden
Liebesbeziehung beigewohnt zu haben, aber der Schluss. Er meldete sich ab
und packte seinen Laptop in den Kofferraum, genug für heute, online
per Mobilfunk ist einfach zu teuer, jetzt wird wieder Geld verdient. Matuschek
stand ganz allein am Halteplatz, drehte die Musik etwas leiser um den Funk
zu verstehen und wartete auf die Dinge die da kamen.
Als er sich gerade in Grand Central Winter von Lee Stinger, einem Schwarzen
aus der Medienszene, der durch übermässigen Crack Konsum nach
ganz unten kam, eingelesen hatte, ging die Tür auf, Smilla.
-: "Guten Abend, einmal nach Heisingen."
-: "Guten Abend"
Matuschek war einen Moment sprachlos, dann viel ihm die
Standardfrage für diese Route endlich ein.
-: "Über den Stadtwald oder die Ruhrallee?"
-: "Stadtwald"
Matuschek fuhr los und überlegte was er aus dieser
Situation machen sollte. Sollte er sie auf den Chat ansprechen, oder besser
nicht, da brach Smilla das Schweigen.
-: "Wo gibt es denn einen See mit einem Industriedenkmal,
einer Zeche, einem Förderturm oder so?"
-: "Könnte der Baldeney See sein, gegenüber von
Haus Scheppen gibt es einen alten Förderturm, ehemalige Zeche ...,
weiß nicht mehr."
-: "Können wir da vorbei fahren?"
-: "Ja, ich muss mal überlegen, ja, das ist sogar in
Heisingen, mit dem Auto kommt man bis zu einem Parkplatz kurz davor."
Aha, wir schauen mal was mit coalmine ist, war ja auch irgendwie
merkwürdig der Abgang.
-: "Jetzt nicht erschrecken, wir schauen wahrscheinlich
nach coalmine, stimmt's?"
-: "Äh, ja, aber ..."
-: "Ganz einfach, ich habe vor dem Internet-Café
meinen Laptop ausprobiert, vorher hab ich drinnen einen Café getrunken
und eine kleine Runde gemacht, zufällig sah ich das du in dem Chat warst
in dem ich auch ab und zu mal bin, driver, angenehm.
-: "Ich glaubs nicht!"
-: "Is aber so"
-: "Ne"
-: "Doch, war schon komisch der Abgang von coalmine."
-: "Ja"
Matuschek schaltete den Fahrpreisanzeiger aus und holte
schon mal das Handy hervor. Die Situation war schon merkwürdig, er wollte
dem Mädchen keine Angst machen.
-: "Ist umsonst die Fahrt, wenn du möchtest komm ich
mit suchen. Du kannst das Handy nehmen, wenn du jemanden anrufen möchtest."
-: "Danke"
Nach 15 Minuten hatte Matuschek den Parkplatz gefunden,
als er noch in der Stadt wohnte war er hier ein paar Mal spazieren gegangen.
Die Beiden stiegen aus und gingen ca. fünf Minuten den Uferweg entlang.
Trotz Halbmond und wolkenlosem Himmel, war es doch sehr dunkel, allein wäre
Matuschek hier nie langgegangen. Auf der nächsten Parkbank stand ein
Laptop, als Matuschek eine Taste drückte erschien das Bild vom Chat.
Ein Verbindungskabel war eingesteckt, das Handy war weg.
"Rufen wir mal bei der Polizei an?", fragte Matuschek, holte
gleichzeitig sein Handy heraus und bewegte sich ein paar Meter Richtung
See, Smilla blieb ganz nah bei ihm und nickte.
-: "Muss ich vor der 110 eigentlich die Vorwahl wählen?"
-: "Weiß nicht"
Matuschek wählte mal ohne und gerade als sich jemand
meldete, "Polizeiwache Essen, Baumgard", tauchte ein Skateboardfahrer auf,
nahm den Laptop und verschwand in der Dunkelheit.
-: "Polizeiwache Essen, Baumgard"
"Ähm, ja, Matuschek, guten Abend, hast du das gesehen,
Smilla?", staunte Matuschek ins Handy.
"Ich heiße wirklich Smilla", sagte diese, Matuscheks
erstaunter verstörter Blick in ihre Richtung, hatte sie wohl dazu veranlasst.
"Möchten sie etwas melden?", fragte Herr Baumgard.
-: "Ja"
-: "Ihre Adresse"
-: "Nein, die möchte ich nicht melden."
-: "Die brauche ich aber erst."
-: "Ach so, ja Entschuldigung."
Matuschek nannte brav seine Adresse und schilderte dann
so einfach wie möglich die Sachlage, immer im Zweifel ob der geschätzte
Herr Baumgard ihn auch ernst nahm, war das eigentlich alles wirklich passiert.
Das einzige materielle Beweisstück war gerade entweder geklaut oder
von coalmine abgeholt worden. Smilla schaute abwechselnd zum See und zu Matuschek,
mit sanften blauen Augen wusste sie wohl auch nicht so recht was sie hier
eigentlich sollte. Als Matuschek beim potenziellen Diebstahl angelangt war,,
hörte er zu seiner Überraschung:
"Bleiben sie mal bitte da, wir schicken einen Streifenwagen,
Baldeney See gegenüber Haus Scheppen, richtig?"
"Äh, ja, danke", sagte Matuschek, legte durch Druck
einer Taste auf, suchte Smillas Augen und sagte:
"Die haben wohl Langeweile, die schicken wirklich einen
Streifenwagen."
Nach zehn Minuten kam ein Streifenwagen den kombinierten
Fuß- und Radweg entlang.
"Dat dat dat darf", kommentierte Matuschek dieses Ereignis.
Die gemischte Streife stieg aus, der Herr setzte sich seine Mütze auf
und die Befragung ging los. Die beiden hatten das Taxi, als dessen Fahrer
Matuschek sich legitimieren konnte, auf dem Parkplatz abgestellt gesehen,
was die Geschichte die Matuschek und Smilla in getrennten Vernehmungen wiedergaben
wohl etwas glaubwürdiger machte. Mehr als das Gehörte zu Protokoll
nehmen konnten sie aber nicht, sie würden sich aber vielleicht noch
einmal melden. Bei der Verabschiedung musste sich der Beamte natürlich
noch mit seinen literarischen Kenntnissen vor seiner Kollegin profilieren:
"Fräulein Smilla, ihr Gespür für schnelle
Analysen ist wirklich beeindruckend, auf Wiedersehen."
"Was hast du dem den erzählt?", fragte Matuschek sofort,
nachdem sich der Streifenwagen in Bewegung gesetzt hatte.
"Och, eigentlich nur das was auch war, und das der Skateboardfahrer
einen auf mich recht femininen Eindruck machte, das Gesicht haben wir ja
in der Dunkelheit nicht gesehen und in der Pluderhose und unter der Hinterwäldlerkappe
kann ja auch eine Frau gesteckt haben.", sagte schelmisch Smilla.
"Boh, eifersüchtig?", mehr viel Matuschek nicht ein.
- : "Päh"
"Fräulein Smilla Schneider darf ich mit ihnen zum Auto
gehen?", fragte Matuschek nun.
-: "Bin weder Fräulein, weder schön ... äh,
ja doch, gerne."
Matuschek fuhr Smilla in ihre kleine Wohnung in Heisingen,
im Taxi tauschten sie noch ihre Karten aus, Matuschek erzählte, dass
er erst wieder nächsten Freitag fahren würde und aus Bergkamen
käme, einer Kleinstadt im Nordosten von Dortmund, sie ihn aber jederzeit,
falls sie etwas neues erfahren hätte, anrufen oder mailen könnte.
Smilla sagte, auf jeden Fall, die Sache wäre doch zu komisch, außerdem
würde sie dieser coalmine und sein Schicksal doch sehr interessieren,
über Ostern würde sie zu Hause lernen, nächste Woche ginge
die Uni wieder los.
Mittlerweile war es 3:00 Uhr morgens, Matuschek hatte gottlob
mit der ersten Fahrt genug für die ganze Nacht verdient, war noch sehr
fit, hatte aber Durst, also erst einmal zur Tankstelle einen leckeren Café
ziehen, ein Päckchen Drum und eine Ritter Sport Olympia kaufen. Der
Rest der Nacht verlief erwartungsgemäß sehr schleppend, was Matuschek
aber nicht weiter störte, seine Gedanken kreisten um Smilla, coalmine,
seinen neuen Laptop. Zu Hause holte er eine Flasche Merlot aus dem Keller,
fütterte die beiden Katzen, gab den Fischen ein paar Flocken und setzte
sich vor den Computer. Sieben eMails waren eingegangen, eins war von smilla@unarte.de
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