02 Ikone Orthopäde 
Wieder daheim, plätscherte die Zeit so vor sich hin, ein Besuch hier, ein Gartentag dort, die Samstagnacht meist im Taxi verbracht, oft ging Matuschek jetzt mit Jule ins Freibad, teilweise bei ca. 15 Grad, war schon merkwürdig so ganz allein auf 4000 qm Liegewiese. Alle 45 Minuten kamen für 15 Minuten die Wellen, was sehr spaßig ist. Jule mußte immer mindestens zwei Wellendurchgänge mitmachen, auch wenn die Lippen schon fast blau anliefen. Irgendwann fiel dann auf, dass Jule hinkte, nur manchmal und von Matuschek nicht richtig einzuordnen. Beim Spiel fiel es fast gar nicht auf, manchmal hinkte sie schon am frühen Morgen, dann selbst nach ausgiebigen Wanderungen nicht. Klagen waren von Jule nie zu hören, auch nicht den Daumen betreffend. Andere Erwachsene, Mütter, Väter, Erzieherinnen, sprachen Matuschek auch nie darauf an. 
Eines Vormittags, Jule war im Kindergarten, räumte Matuschek mal wieder seine Adressdatenbank auf, schmiss einige Adressen raus, überdachte den Sinn mancher Einträge und führte viele Telefonate, er kam besser voran als gedacht, da sah er die Adresse von Dr. Maan, da rufst du jetzt mal an, sofort bekam er eine Verbindung. 
"Dr. Maan ist erst in drei Wochen wieder da", sagte die Stimme. 
"Das ist zu spät", sagte Matuschek aus reinem Trotz. 
"Heute nachmittag hat Dr. Flobus noch einen Termin frei." 
"Gut dann bis gleich." 
Nach dreißig Minuten wurden Jule und Matuschek in ein Behandlungszimmer gesetzt, alter Trick, dort wartet man dann nochmal mindestens zwanzig Minuten. Wie erwartet konnte Dr. Flobus weder zu dem Daumen, noch zu Jules Gang etwas sagen, er tippte auf die rechte Hüfte, Matuschek hatte meistens die linke Hüfte in Verdacht, in der Bewegung eingeschränkt zu sein. Matuschek fand das äusserst ehrlich und man einigte sich auf eine Überweisung zu einem Orthopäden, er könne Dr. Reuler empfehlen. Warum nicht, Matuschek kannte nur einen in Essen und an den erinnerte er sich nur mit Grimm. 

Es war im Sommer 1990, Matuschek hatte nach einem zweiwöchigen Urlaub auf Bornholm, mit viel Fahrradfahren und noch mehr Fahrräder aufs Autodach und wieder runter heben, starke Schmerzen in der linken Schulter. Drei vier Tage ignorierte er das, so weit möglich, nach dem Duschen konnte er aber links kaum noch das Handtuch halten. Entscheidend war wieder einmal der Samstag, nachts wollte er das erste Mal seit drei Wochen wieder fahren, da kamen ihm Bedenken und er entschloss sich, dass Kruppsche Krankenhaus, ganz in der Nähe gelegen, mit seinem Besuch zu beehren, die sollten eine gute chirurgische Ambulanz haben. Der diensthabende junge Arzt war begeistert, parallel mit Matuschek lief auch noch ein junger weiblicher Hexenschuß ein, beide sahen nach Meinung des Arztes völlig fit aus. So war dann, zumindest bei Matuschek, auch die Behandlung, erstmal warten warten warten, dann grobes Zupacken, "tut das weh?", "Jaaaaaaaaaa", "schön, und das?", "umpf". 
Nach 10 Minuten Tortur wollte Matuschek gerade gestehen das er sich alles nur ausgedacht hat, das es gar nicht mehr weh tut und das er sich für die Belästigung gerne entschuldigen möchte, da kam der junge Doktor mit einem Leckerlie, Zuckerbrot und Peitsche, jetzt würden wir beide in einen ganz besonderen Raum mit einem ganz besonderen Ultraschallgerät gehen. 
Matuschek überlegte ob das wohl weh tut, soviel er davon wußte waren Ultraschalluntersuchungen völlig harmlos, aber bei dem Doktor? 
"Gestern hat hier noch Steffi Graf gesessen." 
"So? Hoffentlich hat sie nicht soviel geklaut." 
So leicht läßt Matuschek sich nicht beeindrucken, außerdem war es ihm wirklich völlig egal, aber so schlimm kann es dann ja wohl nicht werden. 
Der Scannerkopf fuhr in der Hand des jungen Arztes auf einem klebrigen Geleekissen Matuscheks Oberarm rauf und runter. Unentwegt starrte der junge Mann auf einen klitzekleinen Schwarzweißbildschirm, die Kassenbildschirme bei Aldi wirken dagegen wie Cinemascope Leinwände, und gab Arien des Entzückens von sich. 
"Schauen sie mal hier, der Ring, der weiße, alles kaputt." 
Zufrieden lächelte er vor sich hin. 
"Und da (irgendein Fachwort), sehen sie das, völlig zerstört, schon über Jahre." 
"Nein, auch das (irgendein Fachwort), hier das weiße, total deformiert, sehen sie das?" 
Matuschek sah nur irgendwas, das ihn daran erinnerte, dass es früher im Fernsehen einen Sendeschluß gab. 
"Ich glaubs nicht, das auch, alles in einer Schulter." 
Matuschek dachte an die arme Steffi, die extra aus wer weiß woher in dieses Krankenhaus, zu diesem Doktor gekommen war. 
"Mannomann, hier, nein, schauen sie." 
"Nein" 
"Und das, unglaublich." 
Entweder ist das ein Scharlatan, ein Praktikant oder ein Hochstapler, der noch nie eine medizinische Fakultät gesehen hat, dachte Matuschek gerade. 
"OOOhhh, (irgendein Fachwort) in dieser Deutlichkeit und dann noch (irgendein Fachwort), grandios." 
Morgen nehme ich Eintritt dachte Matuschek, sagte aber: 
"Ich gehe dann solange einen Kaffee trinken." 
"Ja machen sie das." 
Der will mich einfach nur quälen, der ist einfach nur sauer, der will mir gar nicht helfen, der hat seine Profession verfehlt. 
"Tja, bei älteren Menschen würde ich da sofort operieren." 
Gnade, gut das er mich für jung genug hält, das auch so zu überstehen. 
"Also, Montag sofort zu einem niedergelassenen Kollegen, eine Behandlung mit starken (irgendein Fachwort) Mitteln ist unvermeidlich in diesem Stadium, daneben Krankengymnastik, täglich, absolute Kobold Diät (oder so ähnlich), kein Alkohol, keine Zigaretten, keinen Kaffee, Kältebehandlung." 
Ob ich den ernst nehme, dachte Matuschek gerade. 
"Das ist kein Spaß, verstehen sie?" 
"Klar, aber nach Hause laufen kann ich noch allein?" 
"Auf ihre eigene Verantwortung, ich gebe ihnen jetzt zwei Durex Tabletten, hochwirksames Schmerzmittel, eine reicht für 24 Stunden, nächste Woche können sie den Bericht abholen." 
"Danke, ich glaub ist Sendeschluß" 
Der klitzekleine Bildschirm war schwarz, Matuschek schleppte sich zum Kaffeeautomaten an der ARAL und drehte sich erstmal eine Zigarette. Die ganze Nacht nervte er jeden einigermaßen ansprechbaren Fahrgast mit seinem Schulterproblem, viele hatten ähnliches erlebt und keiner war auf Orthopäden gut zu sprechen, das gab Matuschek etwas Mut zum weiterleben. 
Montag früh suchte sich Matuschek, damals wohnte er noch in Essen, die Adresse eines niedergelassenen Orthopäden aus dem Branchenverzeichnis, schlich sich hin und war sehr überrascht, das dieser durch einmaliges Abtasten eine leichte Muskelzerrung diagnostizierte, vehement abstritt das es ein Schmerzmittel namens Durex gibt, auch der von Matuschek vorsichtshalber mitgebrachte Beipackzettel überzeugte ihn nicht, im Gegenteil, er verfiel zusammen mit seiner Arzthelferin in ein langandauerndes Gelächter. Eine Operation zog er nur in Betracht bei jungen Menschen, Matuschek erschien ihm dafür zu alt. Den Bericht würde er aber gerne mal sehen, informationshalber. Matuschek dachte wieder an die arme Steffi. Zehn Ultraschallbehandlungen unterstützt durch eine Kühlkompresse würden aber voll ausreichen. 
Matuschek nahm an zwei Behandlungen teil, holte den Bericht vom Kruppschen Krankenhaus, der sich auf ca. 20 Bildschirmprints, die Schneegestöber oder etwas in der Art darstellten, reduzierte, und fuhr für sechs Wochen in die Staaten. 

Das ist jetzt auch schon 15 Jahre her, zurück zu Dr. Reuler  in der Nachbarstadt, dieser hatte zehn Tage später Zeit für Jule, morgens um acht. Nun ist Matuschek an sich schon ein Morgenmuffel, kurzfristig hatte er aber Besuch aus der neuen Bundeshauptstadt bekommen, mit diesem die Nacht über diskutiert und nun fiel es ihm besonders schwer um sieben Uhr aufzustehen. Aber er und Jule schafften es, fanden direkt vor dem Haus einen Parkplatz, aus dem man nach vorne wieder rausfahren konnte, wichtig, da der Rückwärtsgang des alten Passats schon seit Monaten nicht mehr eingelegt werden konnte, und waren so just in time. Im Prinzip hätte Matuschek noch einen Parkschein ziehen müssen, aber die Zeit und das Geld dachte Matuschek sich für die paar Minuten sparen zu können, er ahnte ja nicht, dass Dr. Reuler alle Patienten um acht Uhr bestellt und dann nach einem nicht durchschaubaren System abarbeitet, die fünfzig Mark überwies er dann ein paar Tage später an die Stadtkasse der Nachbarstadt, können sie ja ein paar Blumen in den kleinen schönen Stadtpark pflanzen. 
Gegen neun hörte Matuschek Jules Namen und die beiden durften zwei Gänge weiter auf zwei neuen Stühlen Platz nehmen, um halb zehn durften sie dann ins Sprechzimmer, dort trat um zehn Dr. Reuler, eifrig mit seinem Diktiergerät diskutierend, ein. Während Matuschek versuchte eine lückenlose Anamnese zu liefern, sprach Dr. Reuler nur noch ganz selten mit seinem Diktiergerät, meistens las er die Morgenpost. 
"... und die Brustwarze kann über zehn Meter springen.." 
Matuschek machte eine Kunstpause, Jule sah ihn verwundert an. 
"Schön", sagte Dr. Reuler, "was fehlt ihnen denn?" 
"Der rechte Daumen ist doch etwas dick." 
"Ja?" Dr. Reuler sah erstaunt auf Matuscheks linken Daumen, und sagte dann: "Finde ich nicht." 
"Bei Jule, und außerdem hinkt sie seit ca. sechs Wochen!" 
Wider Erwarten stand Dr. Reuler auf, ohne Diktiergerät, bat Jule sich so weit nötig auszuziehen und ein paar Meter geradeaus zu gehen. Danach durfte sie auf der Liege Platz nehmen und Dr. Reuler bewegte sehr kompetent, soweit Matuschek das beurteilen konnte, die betroffenen Gelenke. 
"Mmh, da müssen wir erstmal drei Röntgenaufnahmen machen, rechte Hüfte seitlich und von vorn und rechter Daumen." 
Dies sagte er der, einer so noblen Praxis unwürdigen Zimmerpflanze, wahrscheinlich Phoenix theophrasti, und ging heftig auf sein Diktiergerät einredend hinaus. 
Matuschek überlegte noch was sie jetzt wohl machen sollten, da löste sich, auch Jule war irritiert, von der strahlend weißen Wand ein strahlend weißer Kittel. 
"Kommen sie mal mit." 
Dem konnte Matuschek nicht widerstehen und so saßen sie auf wieder neuen Stühlen vor wieder neuen Räumen. 
"Geh mal in die Röntgenographiekabine Römisch III und zieh dich soweit erforderlich aus." 
Das junge sympathische weibliche Gesicht verschwand sofort wieder hinter dicken Stahltüren. Nun kann Jule mit ihren fünf Jahren weder lesen, noch ist ihr bewußt was für eine solche Prozedur abzulegen erforderlich ist. 
"Komm", sagte Matuschek und ging mit Jule in Kabine Römisch III, zog Jule bis auf  Unterhose und Unterhemd aus, so ganz sicher war er sich da auch nicht, und wartete so ca. zwanzig Minuten. 
"Drück mal die Taste B, dann dreh den Riegel nach links und komm rein." 
Matuschek fand weder eine Taste B, noch konnte er den Riegel nach links drehen, da öffnete sich auch schon die Tür. 
"Wer sind sie denn?" 
"Der Papa, wo ist denn hier die Taste B?" 
"Egal, warten sie mal hier, und du komm mal rein, wir machen jetzt ein paar Photos." 
Nun leidet Matuschek eigentlich nicht unter Agoraphobie (Platzangst), aber fünfzehn Minuten in der engen Kabine und nicht wissen was mit Jule geschieht und nicht mal eine selbstgedrehte Zigarette rauchen können, schon seit mittlerweile drei Stunden hatte Matuschek nicht mehr geraucht, und dauernd Ratter- und Klickgeräusche, wohl von dem Röntgenapparat, zu hören, das alles schaffte Matuschek schon ganz schön. Gerade wollte er die Tür zum Röntgenraum gewaltsam öffnen, ohne Taste B und Riegel links, da ging die Tür auf. 
"Hat Spaß gemacht, tschüs!", hörte Matuschek Jule rufen. 
"Ihre Tochter macht das ganz toll!", sagte die junge sympathische weibliche Stimme. 
Das sollte Matuschek noch öfter hören, erstmal war er erstaunt über die Tapferkeit seiner Tochter. 
"Und jetzt?" fragte Jule. 
"Jetzt können wir uns wahrscheinlich wieder anziehen und dann vor dem Behandlungszimmer Römisch VII Platz nehmen", dachte Matuschek laut. 
"Du kannst dich dann wieder anziehen und vor dem Behandlungszimmer Römisch IX Platz nehmen", sagte das junge sympathische weibliche Gesicht und war sofort wieder verschwunden. 
Knapp vorbei. 
Irgendwann konnten die Beiden eintreten, irgendwer klemmte die Röntgenaufnahmen an die weiße Leuchtwand und schaltete diese ein, und dann, die Sonne stand gerade im Zenit, trat Dr. Reuler ein, nicht mit seinem Diktiergerät diskutierend, nein, diesmal hatte er ein Handy, er setzte sich an seinen Schreibtisch, der Leuchtwand abgewandt, sprach, las, schrieb, kritzelte auch. 
Beim ersten Klang der wohl recht nahen Kirchturmuhr, bemerkte Matuschek, "Ein schönes Geläut." 
"Nun lassen sie mich doch erstmal die Röntgenaufnahmen betrachten." 
Bitte sehr dachte Matuschek, immer höflich, wahrscheinlich hat er einen Spiegel oder eine kleine Kamera in sein Handy eingebaut. 
"Schöne Tapete haben sie, sogar beleuchtet, aber was sind denn das für dunkle Zettel?" Matuschek schaute dabei bewußt aus dem Fenster. 
Wieder schaffte es Dr. Reuler Matuschek zu verblüffen, er drehte sich nämlich um, betrachtete drei Minuten die Röntgenaufnahmen, völlig konzentriert, und sagte dann klar und präzise zu der anwesenden Assistentin. 
"Röntgenologisch liegt da nichts vor, suchen sie mal die Adresse aus Schickennest, Dr. Schwaner, raus, und machen sie eine Überweisung für Jule fertig, Verdacht auf rheumatische Erkrankung." 
Matuschek schaute sehr interessiert, aber Dr. Reuler hatte weder ein Handy noch ein Diktiergerät in der Hand, der Name Jule ist auch nicht so verbreitet, er meinte wohl wirklich seine Jule. 
Dr. Reuler schaute in Matuscheks Richtung, allerdings knapp an ihm vorbei, eher in Richtung oben erwähnter Zimmerpflanze. 
"Röntgenologisch liegt bei ihrer Tochter kein Befund vor, stellen sie sich mal bei Dr. Schwaner vor, meine Assistentin gibt ihnen die Adresse." 
"Jawohl", mehr viel Matuschek nicht ein, wenn es nicht um Jule gegangen wäre, hätte er noch einiges bemerkt, aber so hielt er sich notgedrungen zurück. 
Die Assistentin gab Matuschek dann an der Rezeption die Adresse von Dr. Schwaner und, wie sich später herausstellte, etwas voreilig, die Überweisung nach Schickennest, wg. Verdacht auf "rhematische" Erkrankung, Matuschek hatte mal eine zeitlang als Korrektor gearbeitet, und so musste er das sofort handschriftlich korrigieren, die Worte Rheuma und rheumatische Erkrankung kannte er schon, konnte sie allerdings nicht in Verbindung mit Jule bringen. 

Der Bundeshauptstadtbesuch war weg, klar, allerdings waren die Tasche und die Jacke noch da, Matuschek und Jule wollten ihn auch Nachmittags zum Bahnhof der nächst größeren Stadt bringen, also musste er wiederkommen.
"Na, was sagt der Doktor?" schwimmen war der Besuch gewesen. "Verdacht auf rheumatische Erkrankung", sagte Matuschek. 
"Nee" 
"Wohl, aber so richtig glauben kann ich das auch nicht", sagte Matuschek und brachte dabei den Kaffee und den Saft auf die Terrasse. Nun folgte eine der ersten ausführlichen dramatischen Krankengeschichten, Rheuma hat scheinbar fast Jede(r) oder wenn ausnahmsweise einmal nicht, dann doch ein guter Freund, oder eine gute Bekannte, Verwandte. 
Achim war auf jeden Fall drei Monate, damals noch in West Berlin, stationär behandelt worden, die Beiden kannten sich schon recht lange und recht gut, so überlegte Matuschek die ganze Zeit wann denn das wohl gewesen sei, egal, Achim war gerade im zweiten Monat, Matuschek konnte auf der Terrasse endlich rauchen und Kaffee trinken, und so verging die Zeit. Die Quintessenz war, dass Achim nach drei Monaten recht gesund das Krankenhaus verließ, noch irgendwelche Goldpräparate schluckte, in dieser Hinsicht ist er nicht die zuverlässigste Quelle, dann nochmal ein dickes Knie bekam, diesmal zu einer niedergelassenen Rheumatologin ging, die sofort diese ominösen Goldpräparate absetzte, das Knie auch schnell in Ordnung kam und er dann Jahre Ruhe hatte. Ruhe hat er eigentlich genug, als Rentier, Papa hat der Familie einige Immobilien hinterlassen, so muß man nicht arbeiten, nach ein paar Jahren Ingenieursarbeit tat er das dann auch nicht mehr. 
Ein "Rückfall" ca. fünf Jahre später wurde dann in einem anderen Krankenhaus als Yersinien Arthritis diagnostiziert und man konnte sich schon vorstellen, dass es das auch beim ersten Mal war. Daran konnte sich Matuschek erinnern, in dieser Zeit war er zwei Wochen in West Berlin und hatte an einem Tag die ganze Wohnung von Achim geputzt. Seitdem lebt ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. 

Der Bundeshauptstadtbesuch war in den Zug gesetzt und Jule in ihrem Zimmer verschwunden, Matuschek saß auf der Terrasse, rauchte und trank Kaffee, da lag auch das wireless Telephon und die Überweisung, na gut, rufst du mal an. 
"Frühestens in sechs Wochen, am 3.10., 10:00 Uhr, denken sie daran das sie für das neue Quartal eine neue Überweisung brauchen", sagte die Stimme aus Schickennest. 
"Is klar", sagte Matuschek, er war schon überrascht wie selbstverständlich seine Anfrage nach einem ambulanten Termin aufgenommen wurde. Zum Augenarzt wurde er, bzw. Jule noch geschickt, "der weiß dann schon Bescheid", das Ergebnis sollten wir dann mitbringen. 

Matuschek nahm das Ganze sowieso nicht ernst, leider hatte er aber auch keine andere Erklärung. So vergingen die Tage, Wochen, es ergab sich, dass der Termin nicht nur genau in die Herbstferien fiel, sondern auch identisch mit dem Geburtstag von Sarah war. Jule wurde natürlich eingeladen, 15:00 Uhr, aber Matuschek hatte mal auf die Strassenkarte geschaut, bis Schickennest waren es nur etwas mehr als 40 Kilometer. 
Für die Ferien war es auch eher günstig, Matuschek ist nicht mehr der große Urlauber und so konnte er das Ferienhaus auf einer dänischen Insel von Montag bis Montag buchen, so brauchte er nur ein Wochenende auf sein Taxi verzichten, Dienstags konnten sie dann kurz in Schickennest  vorbeischauen und danach Jule bei Sarah abliefern.

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