Der dritte Tag auf der
Wunderwiese, heute sollen die Laborwerte kommen. Ersteinmal gibt
es aber Frühstück, heute kommt das, was Matuschek vor zwei
Tagen für Jule bestellt hat. "Ist das erst zwei Tage her?" Jule
hat wohl ganz gut geschlafen und ist nach dem Anlegen der Kühlbeutel
und der Morgentoilette ganz fit. Außer einem gekochten Ei und
einem halben Nusscremebrötchen ißt sie aber nichts, na ja,
immerhin trinkt sie zwei Tassen Kakao und der morgendliche Proxensaft,
2,5 ml hat wohl auch einen gewissen Nährwert. Nach Cool Box, Krankengymnastik
und einem Routine EKG, zusammen mit Theresa und ihrer Mama, die Saugnapfenspuren
sah man noch zwei Tage später, hatte Matuschek etwas Zeit zum
Lesen. Jule und Theresa spielten etwas im Park, Theresas Mama hatte ein
oder zwei Augen drauf.
Matuschek hatte sich sofort nach der ersten vorläufigen
Diagnose, nach einer Empfehlung im Deutschland Funk, Matuscheks
Stammradiosender, Gabriele Brieden's Buch "Rheuma, Lernen mit der Krankheit zu leben", besorgt, und
das Kapitel 5 "Rheuma: (k)eine Alte-Leute-Krankheit"
mindestens sechs, alle anderen mindestens
dreimal gelesen. Wenn an der vorläufigen Diagnose überhaupt
etwas dran sein sollte, Matuschek plagten immer noch große
Zweifel, dann tippte er auf, "Jugendliche chronische Arthritis, Oligoarthritis
Typ I, 'Kleinmädchenform' ". (Wer jetzt seine Lesebrille nicht parat
hat, clickt einfach auf die Tabelle.)
Die Visite brachte immer noch keine Gewißheit,
die Laborwerte waren da, ANA pos. und auch HLA-B-27 pos.,
das sind die sogenannten Rheumafaktoren, aber nach Matuscheks informellen
Informationen, sind die auch nicht so aussagekräftig. Jules
Wochenplan wurde immer voller, neben der Knetgruppe der Ergotherapeutinnen,
an der so sechs bis acht Kinder teilnahmen, einige nahmen das nicht so ganz
ernst und fehlten öfter mal, hatte Frau Corolski auch nichts gegen
das Schwimmen, yeah, einzuwenden, im Gegenteil. Nun wollte Jule zwar unheimlich
gern ins Wasser, aber partout nicht ohne Matuschek, der sich auf dem langen
Weg von der Station zum Schwimmbad noch verbal dagegen wehrte, aber schon
mal seine Badehose und Badehaube, in der er unmöglich aussah, eingepackt
hatte. Nach dem gemeinsamen Umziehen und duschen fanden sich dann Matuschek
und Jule für 45 Minuten mit einem runden Dutzend Kindern und zwei Mamas
in dem gar nicht mal so kleinen Becken wieder. Beaufsichtigt wurde das ganze
von einem Bademeister, einer Erzieherin und zwei Mamas, die es geschafft
hatten, das ihre Kinder das Vergnügen nicht mit ihnen teilten. Das Badeabenteuer
wurde sogar ganz lustig, und hatte den Vorteil, das Matuschek Jule beim
abschließenden Duschen den Kopf waschen konnte. Undine hatte Jule noch
schnell zwischen Geburtstag und Wunderwieseneinzug, von ihrer türkischen
Friseuse, einen Kurzhaarschnitt verpassen lassen, so war auch das Haartrocknen
schnell erledigt.
Die Zeit bis Nils Holgerson verging wie im Flug, Theresa und Jule durften
ihre Fahrräder mit zu einem kleinen Ausflug in das kleine Schickennest
mitnehmen, Matuschek und Theresas Mama sich endlich mal über das gemeinsame
Schicksal der beiden Kinder austauschen, dabei immer mit einem Auge nach den
beiden Kindern schielend. Theresa hatte ein dickes Knie, nachdem sich ein
niedergelassener Orthopäde schon mal daran versucht hatte, er hatte es
wohl punktiert, d.h. die Entzündungsflüssigkeit abgezogen und ein
cortisonhaltiges antientzündliches Medikament injiziert, mit nur kurzfristigem
Erfolg, sollte Theresa nun auf der Wunderwiese gründlich untersucht
werden.
Nach dem Abendessen, dem abendlichen Kühlen und Vorlesen, schlich sich
Matuschek um 20:30 Uhr kurz nach Hause, um gut zehn Stunden später wieder
vor Jules Bett zu stehen.
|