06 Neuer Tag
Der dritte Tag auf der Wunderwiese, heute sollen die Laborwerte kommen. Ersteinmal gibt es aber Frühstück, heute kommt das, was Matuschek vor zwei Tagen für Jule bestellt hat. "Ist das erst zwei Tage her?" Jule hat wohl ganz gut geschlafen und ist nach dem Anlegen der Kühlbeutel und der Morgentoilette ganz fit. Außer einem gekochten Ei und einem halben Nusscremebrötchen ißt sie aber nichts, na ja, immerhin trinkt sie zwei Tassen Kakao und der morgendliche Proxensaft, 2,5 ml hat wohl auch einen gewissen Nährwert. Nach Cool Box, Krankengymnastik und einem Routine EKG, zusammen mit Theresa und ihrer Mama, die Saugnapfenspuren sah man noch zwei Tage später, hatte Matuschek etwas Zeit zum Lesen. Jule und Theresa spielten etwas im Park, Theresas Mama hatte ein oder zwei Augen drauf.
Matuschek hatte sich sofort nach der ersten vorläufigen Diagnose, nach einer Empfehlung im Deutschland Funk, Matuscheks Stammradiosender, Gabriele Brieden's Buch "Rheuma, Lernen mit der Krankheit zu leben", besorgt, und das Kapitel 5 "Rheuma: (k)eine Alte-Leute-Krankheit"Rheuma Formen bei Kindern mindestens sechs, alle anderen mindestens dreimal gelesen. Wenn an der vorläufigen Diagnose überhaupt etwas dran sein sollte, Matuschek plagten immer noch große Zweifel, dann tippte er auf, "Jugendliche chronische Arthritis, Oligoarthritis Typ I, 'Kleinmädchenform' ". (Wer jetzt seine Lesebrille nicht parat hat, clickt einfach auf die Tabelle.)
Die Visite brachte immer noch keine Gewißheit, die Laborwerte waren da, ANA pos. und auch  HLA-B-27 pos., das sind die sogenannten Rheumafaktoren, aber nach Matuscheks informellen Informationen, sind die auch nicht so aussagekräftig.
Jules Wochenplan wurde immer voller, neben der Knetgruppe der Ergotherapeutinnen, an der so sechs bis acht Kinder teilnahmen, einige nahmen das nicht so ganz ernst und fehlten öfter mal, hatte Frau Corolski auch nichts gegen das Schwimmen, yeah, einzuwenden, im Gegenteil. Nun wollte Jule zwar unheimlich gern ins Wasser, aber partout nicht ohne Matuschek, der sich auf dem langen Weg von der Station zum Schwimmbad noch verbal dagegen wehrte, aber schon mal seine Badehose und Badehaube, in der er unmöglich aussah, eingepackt hatte. Nach dem gemeinsamen Umziehen und duschen fanden sich dann Matuschek und Jule für 45 Minuten mit einem runden Dutzend Kindern und zwei Mamas in dem gar nicht mal so kleinen Becken wieder. Beaufsichtigt wurde das ganze von einem Bademeister, einer Erzieherin und zwei Mamas, die es geschafft hatten, das ihre Kinder das Vergnügen nicht mit ihnen teilten. Das Badeabenteuer wurde sogar ganz lustig, und hatte den Vorteil, das Matuschek Jule beim abschließenden Duschen den Kopf waschen konnte. Undine hatte Jule noch schnell zwischen Geburtstag und Wunderwieseneinzug, von ihrer türkischen Friseuse, einen Kurzhaarschnitt verpassen lassen, so war auch das Haartrocknen schnell erledigt.
Die Zeit bis Nils Holgerson verging wie im Flug, Theresa und Jule durften ihre Fahrräder mit zu einem kleinen Ausflug in das kleine Schickennest mitnehmen, Matuschek und Theresas Mama sich endlich mal über das gemeinsame Schicksal der beiden Kinder austauschen, dabei immer mit einem Auge nach den beiden Kindern schielend. Theresa hatte ein dickes Knie, nachdem sich ein niedergelassener Orthopäde schon mal daran versucht hatte, er hatte es wohl punktiert, d.h. die Entzündungsflüssigkeit abgezogen und ein cortisonhaltiges antientzündliches Medikament injiziert, mit nur kurzfristigem Erfolg, sollte Theresa nun auf der Wunderwiese gründlich untersucht werden.
Nach dem Abendessen, dem abendlichen Kühlen und Vorlesen, schlich sich Matuschek um 20:30 Uhr kurz nach Hause, um gut zehn Stunden später wieder vor Jules Bett zu stehen.
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