Heute ist es soweit, vor der Schalterhalle wartet Frank der Zivildienstleistende,
es geht zum Dentisten, na ja, Dentisten gibt es ja kaum noch, Dentisten
sind Zahnärzte ohne Hochschulausbildung, ab 1952 ist dieser Ausbildungsweg
in Deutschland versperrt, Matuschek war noch bei einem, damals in Essen.
Der hatte ihm eine Zahnwurzel gezogen, Matuschek erinnerte sich noch
an die unheimlich lange Nadel die der Dentist in den Zahn schob.
Es geht also zum Doktor der Kieferorthopädie, mit dem stifteigenen
Personentransportwagen, gefahren vom Zivildienstleistenden, in die
Nachbarstadt. Hier hat Dr. Ritch seine KFO, steht so im Fahrstuhl, Kieferorthopädische
Praxis. Untersucht werden soll das linke Kiefergelenk, nach zehn Minuten
Anamnese geht Jule erstmal mit der Röntgenassistentin
eine Frontal Aufnahme ihres Kiefers erstellen, wie immer ist
Jule dabei sehr kooperativ. Die Aufnahme ist nach ca. 20 Minuten entwickelt.
(Maßstab 1:1 Röntgenaufnahmen 1999,
2001, 2002)
Dr. Ritch interpretiert die Aufnahme und zeigt Matuschek das fehlende Kieferköpfchen,
Matuschek sieht das fehlende Kieferköpfchen aber nicht, fehlt ja auch,
und was da eigentlich zu sehen sein sollte bleibt Matuschek verschlossen.
Matuscheks bis jetzt recht optimistische Stimmung ist aber verflogen, warum
auch immer dieses Kieferköpfchen fehlt, am wahrscheinlichsten ist schon
eine rheumatische Ursache, ist es doch, obwohl nicht vorhanden, ein Ausdruck
für die Schwere der Erkrankung. Ob eine akute Entzündung vorliegt,
kann leider nicht bestimmt werden, eine Röntgenaufnahme zeigt dies
nicht an, und eine sonographische Untersuchung ist beim momentanen Stand
der Wissenschaft am Kiefergelenk nicht möglich. Einige der beim Kieferorthopädischen Konsil, im Bericht für
den Hausarzt, aufgelisteten "Einschränkungen" führt Matuschek
zwar nach wie vor darauf zurück, dass die ungewohnte Atmosphäre,
Situation, bei Jule überwiegend psychisch bedingten Verspannungen auslöste,
die weitergehende Behandlung steht aber seit dieser negativen Diagnose für
Matuschek nicht mehr in Frage.
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